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Capcom Home Arcade – Erfahrungsbericht

Zu Zeiten der 8- bzw. 16-Bit Ära war Capcom DER Garant für Spielehits. Wohl kaum eine andere Firma lieferte damals so konsequent einen Hit nach dem anderen ab, wie Capcom (Street Fighter, Mega Man, uvm.). Wie zu dieser Zeit üblich, erschienen die meisten Spiele aber zunächst in den Arcades, welche damals noch wie Pilze aus dem Boden schossen (außer in Deutschland natürlich). Erst später wurden die Games dann, in abgespeckter Version, für die jeweilige Heimkonsolengeneration umgesetzt – falls überhaupt. Etliche Titel aus der Spielhalle bekamen gar keine Heimumsetzung spendiert. Dank der Capcom Home Arcade kommen nun auch wir in den Genuss solcher, hierzulande unbekannter Klassiker und zwar in Arcade-Qualität! Spiele, wie Alien vs. Predator (ein seitlich scrollendes Beat-em-Up) oder Progear (ein horizontaler Shooter) dürfen wir jetzt endlich zum ersten Mal (legal) zu Hause genießen.

Solid as a Rock

Aber eines nach dem anderen. Wenden wir uns zunächst der Hardware zu. Direkt nach dem Unboxing werdet ihr vermutlich erst einmal Rotz und Wasser heulen, wenn ihr die Capcom Home Arcade zum ersten Mal in den Händen haltet. An der äußerst hochwertigen Verarbeitung gibt es nämlich so gut wie gar nix zu meckern! Die Entscheidung, nur hochwertige Komponenten der japanischen Firma Sanwa (seit jeher Spezialist für hochwertige Arcade-Komponenten) zu verbauen, gibt einem das Gefühl, mit diesem ziemlich monströsen Dual-Joyboard wirklich Topqualität in den Händen zu halten. Bei einem Preis von 230,- EUR kann man aber natürlich auch etwas erwarten für sein Geld. Dass beim zweifelsohne gelungenem Design das Motto “Style over Function” hieß, lässt sich nur schwer von der Hand weisen, andererseits hatte ich beim Probespielen trotz der fehlenden Ablagefläche für die Hände keine großen Probleme mit verkrampften Fingern oder ähnlichen Begleiterscheinungen. Auch zu zweit (alle Spiele haben einen Multiplayer-Modus) nebeneinander auf der Couch gab es keine größeren Probleme.

Aber genug zu den Äußerlichkeiten, kommen wir zu den inneren Werten, nämlich den 16 vorinstallierten Arcade-Hits aus dem Hause Capcom. Die meisten Titel bedürfen eigentlich keiner besonderen Vorstellung mehr. Street Figher II, Ghouls´n Ghosts oder Strider sind zweifelsohne zeitlose Klassiker der Videospielgeschichte. Auch Darkstalkers (ein 2D-Prügler im Fantasy-Setting), das bereits erwähnte Alien vs. Predator oder Final Fight (ebenfalls ein Beat-Em-Up) machen auch heute noch Laune. Richtige Ausfälle sind eigentlich keine darunter, lediglich Mega Man – The Power Battle konnte mich irgendwie nicht so recht vom Hocker reißen (mir sind die NES-Episoden einfach lieber). Gut gefallen hat mir dafür, dass Capcom bei der Auswahl der Titel versucht hat, so ziemlich jedes Genre abzudecken. Mit Super Puzzle Fighter II Turbo und Capcom Sports Club haben es sogar ein Puzzle-Game und ein Sportspiel in die Auswahl geschafft. Logischerweise ist halt alles recht actionlastig, wie in der Spielhalle eben üblich.

Nicht alles Gold, was glänzt

Dank der 1080p-Auflösung sehen die Games auch auf einem riesigem Flatscreen hervorragend aus (verbunden über HDMI). Zuschaltbare Scanlines, um die Optik eines Röhrenfernsehers zu simulieren, gibt es leider nicht. Auch weitere Annehmlichkeiten, wie man sie von anderen Mini-Konsolen bzw. Retro Collections her kennt, fehlen beim Capcom Home Arcade fast gänzlich. Anleitungen (schon klar, bei Arcade Games gibt’s sowas meistens nicht) oder hübsche Bildschirmrahmen im Design von Side Marquees, zum kaschieren der schwarzen Balken (falls ihr im 4:3-Format spielt) sucht man vergeblich. Auch ein paar Informationen zum jeweiligen Spiel, digitale Artworks und eine individuelle Buttonbelegung fehlen schmerzlich. Nette Features, wie eine Rückspul-Funktion oder ein Soundtrack-Player sind ebenfalls nicht mit an Bord. Muss zwar alles nicht sein, aber bei einer Konsole in der Preisklasse hätte ich mir schon ein bisschen mehr Luxus bei der Ausstattung gewünscht. Für mich absolut unverständlich, da genau diese Features bei der digitalen Spielesammlung Capcom Arcade Cabinet (erschien 2013 für die Xbox 360 und PS3) bereits enthalten waren.

Hinzu kommen technische Probleme, wie beispielsweise beim Einrichten der WIFI-Verbindung (zum Upload von Highscores). Dieses Manko konnte ich nur beheben, indem ich einige Leerzeichen im Namen meines WLANs gelöscht habe. Dies hatte wiederum zur Folge, dass ich alle Geräte, die bereits mit diesem Netzwerk verbunden waren, neu einrichten musste. Eigentlich eine Frechheit! Und warum auf meinem Fernseher trotz aktueller Firmware (egal, in welchem Darstellungsmodus) unten und oben Teile des Screens abgeschnitten werden, muss ich auch nicht verstehen. Ich kann nur hoffen, dass diese Probleme mit dem nächsten Update behoben werden.

Fazit: Außen hui, innen pfui! Spieleauswahl, Verarbeitung und das Design des Geräts sind wirklich top. Man muss halt auf actionbetonte Games stehen. Leider machen aber technische Unzulänglichkeiten und die äußerst lieblose bzw. nicht vorhandene Ausstattung das an sich stimmige Konzept etwas zunichte. Mit ein bisschen Feinschliff wäre sicher mehr drin gewesen. Wer mit den erwähnten Mankos überhaupt nicht leben kann, bekommt mit der Capcom Home Arcade zumindest eine originelle Wanddekoration für sein Zockerzimmer 😉 Von mir gibt´s aber leider nur 3 von 5 Sternen.

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