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Interview mit Nintendo-Urgestein Harald Ebert

Wer sich für den Werdegang der Firma Nintendo in Deutschland interessiert, stolpert bei seiner Recherche früher oder später unweigerlich über den Namen Harald Ebert. Zu Beginn seiner Karriere beantwortete er noch die Fragen verzweifelter Gamer. Später dann wechselte er in die PR-Abteilung und betreute den Launch etlicher Konsolen und Spiele des japanischen Herstellers. Aber was rede ich da? Lassen wir Harald doch einfach selbst zu Wort kommen. Viel Spaß bei unserem ausführlichen Interview!

Du bist nun seit fast 30 Jahren für Nintendo tätig! Was genau ist dein Aufgabengebiet und wie hat es dich eigentlich zu Nintendo verschlagen?

Harald Ebert: Ich arbeite bei Nintendo Deutschland in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. Als PR Consultant Specialist Press ist mein Kern-Aufgabengebiet die Betreuung der Fachpresse – damit konzentriert sich meine Tätigkeit vor allem auf alle Aufgaben, die vor dem Launch eines Spiels anfallen.

1990 las ich in einer regionalen Tageszeitung, dass Nintendo plante, im Juni des gleichen Jahres seine Europazentrale in Großostheim zu eröffnen. Da ich damals schon ein großer Videospielfan war, entschied ich mich sofort für eine Initiativ-Bewerbung. Mit meiner Anstellung bei Nintendo ging für mich ein großer Traum in Erfüllung. Ein Traum, den ich nun seit fast 30 Jahren leben darf.

Was hat deine anhaltende Liebe für Computer- und Videospiele ausgelöst? Erinnerst du dich noch an dein erstes Game?

Harald Ebert: Mein allerstes Videospiel war das klassische Pong in all seinen Variationen. Meine Eltern hatten mir die ersten Videospielkonsolen und LCD-Handhelds schon als Kind geschenkt. Für das Schulfach Informatik mussten mir meine Eltern dann einen C64 kaufen, eigentlich, um zu programmieren. Tatsächlich habe ich ihn in erster Linie zum Spielen verwendet. (schmunzelt)

Meine ersten Spiele von Nintendo waren „Donkey Kong“ und „Mario Bros.“ auf den Arcade-Automaten: Es war Liebe auf den ersten Blick! Speziell von „Donkey Kong“ war ich fasziniert, da das Spiel vier völlig unterschiedliche Level beinhaltete, eine Geschichte erzählte und man eine konkrete Aufgabe zu erfüllen hatte – nämlich Pauline aus den Klauen von Donkey Kong zu retten. So etwas kannte ich davor nicht. Ich war also schon langjähriger Nintendo-Fan, bevor ich hier anfing zu arbeiten.

Wie hat sich dein Job bei Nintendo im Laufe der Zeit entwickelt? Das Internet gab es in deiner Anfangszeit noch nicht wirklich.

Harald Ebert: Begonnen habe ich meine Karriere im Consumer Service an der Spieleberatungshotline. Dann wurde ich Teamleiter – zuerst in dem Korrespondenz-Bereich und später in der Spieleberatung. Von hier aus wechselte ich in den PR-Bereich. Allein dieser Werdegang in knapp 10 Jahren brachte natürlich viele Änderungen mit sich. Bei der Spieleberatungshotline etwa haben wir damals selbstständig eine Datenbank angelegt. Auch unsere Unterlagen haben wir anfangs selbst angefertigt und zum Beispiel Walkthroughs erstellt, oder Level-Karten gezeichnet.

Und genauso wie sich Videospiele im Laufe der Zeit aufgrund des rasanten technischen Fortschritts weiterentwickelt haben, so blieb es auch im Berufsleben immer spannend. Heutzutage ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Es hat damals aber nicht weniger Spaß gemacht, nur war vieles wesentlich umständlicher, oder mit einem größeren Zeitaufwand verbunden.

Wie hast du damals die Rivalität zwischen Nintendo (mit dem SNES) und Sega (mit dem Mega Drive) erlebt? Ich selbst erinnere mich an hitzige Streitgespräche auf dem Schulhof.

Harald Ebert: Als das Super Nintendo Entertainment System und das Mega Drive veröffentlicht wurden, war ich bereits bei Nintendo tätig. Daher habe ich keine hitzigen Streitgespräche auf dem Schulhof führen müssen. (schmunzelt) In meinem Umfeld, also weder bei Nintendo noch bei meinen Freunden und Bekannten, gab es diesbezüglich Diskussionen. Videospielfans profitierten damals – wie auch heute – von der größeren Auswahl an Spielen, weil der Videospielmarkt insgesamt erweitert wurde.

Wie siehst du die Entwicklung in Richtung Cloud Gaming? Wie lange werden wir noch physikalische Medien kaufen können?

Harald Ebert: Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass der Mensch immer wieder auch ein physisches Erlebnis haben mag. Bücher etwa sind ja trotz des Erfolgs der eBooks nicht vom Markt wegzudenken. In diesem Sinne wird Cloud Gaming sicherlich den Markt erweitern, ich persönlich kann mir aber nicht vorstellen, dass es physische Produkte ganz ersetzen wird. Das wäre ja auch das Ende von Collector‘s Editions – undenkbar. (lacht)

Was war im Laufe deiner beruflichen Karriere deine liebste Konsole von Nintendo und warum?

Harald Ebert: Von den vielen Konsolen, die Nintendo in den letzten 35 Jahren veröffentlicht hat, fällt es mir sehr schwer, meine Lieblingskonsole zu nennen, zumal jede Konsole einzigartig war und es sehr viele schöne Spiele für jede Konsole gab. Als ich damals bei Nintendo anfing, waren das NES und der Game Boy bereits auf dem Markt und ich hatte sehr viel Spaß mit zahlreichen Spielen, speziell mit „The Legend of Zelda“ und anderen Abenteuerspielen.

Aber als kurz darauf das Super Nintendo Entertainment System veröffentlicht wurde und dann, ungefähr 10 Jahre später, der Game Boy Advance, war ich ganz fasziniert von diesen Konsolen und sie waren damals meine absoluten Lieblingskonsolen. Ich war ganz angetan von dem tollen Stereo-Sound und dem Mode-7-Grafik-Effekt.

Mit dem Erscheinen des N64 war dann diese Konsole bei mir zuhause die Attraktion, da dreidimensionale Spielewelten, wie beispielsweise in „Super Mario 64“ oder „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ etwas völlig neues waren, so dass ich das SNES zwar weiterhin nutzte, aber überwiegend auf der neuen Konsole spielte.

So ging es mir bis heute mit jeder Konsole, so dass ich übergreifend, wenn ich nur eine Konsole nennen dürfte, Nintendo Switch als meine aktuelle Lieblingskonsole bezeichnen würde. Nicht nur, weil sie die neueste Konsole von Nintendo ist, sondern vor allem auch, weil sie sehr vielseitig ist und die Möglichkeiten verschiedener Konsolen in sich vereint. Darüber hinaus ist die Spieleauswahl sehr groß und ansprechend: Sie bietet viele neue Spiele der verschiedenen Marken und darüber hinaus ist eine riesige Auswahl an Retro-Titeln im Nintendo eShop erhältlich.

So ist das Super Nintendo für mich zwar immer noch Kult, aber ich spiele lieber nur auf einer Konsole, weil es schneller geht und komfortabler ist. Wenn man kein eigenes „Gaming-Zimmer“ hat, genügen irgendwann nicht mehr die Anschlüsse am Fernseher und es fehlt der Platz für die vielen Konsolen. Selbst wenn man dieKonsolen stapelt und Scart-Mehrfachstecker und -Umschalter einsetzt, wird es irgendwann schwierig! (schmunzelt)

Unsere mobile TV-Konsole Nintendo Switch muss ich nur aus ihrer Station nehmen, um sie im Handheld-Modus zu spielen, was ich nicht nur gerne unterwegs, sondern auch zuhause oft nutze.

Zockst du in deiner Freizeit noch ab und zu auf alten Konsolen oder bevorzugst du mittlerweile eher eine der Mini-Konsolen (z.B. das Nintendo Classic Mini: NES)?

Harald Ebert: Seit ich die Nintendo Switch habe, habe ich keine älteren Konsolen mehr genutzt. Nicht zuletzt, weil ich einfach, sehr zu meinem Bedauern, keine Zeit mehr habe. Wenn ich Lust habe, einen Retro-Titel zu spielen, dann nutze ich entweder Nintendo Switch oder die beiden Nintendo Classic Minis. Das NES Mini und das SNES Mini gefallen mir sehr gut, weil die Spiele-Auswahl meinen Geschmack trifft und die kleinen Konsolen immer Platz finden. (schmunzelt)

Gibt es einen Spielcharakter aus dem riesigen Nintendo-Universum, mit dem du dich identifizieren kannst? 😉

Harald Ebert: Meinen Appetit betreffend kann ich mich gut mit Kirby identifizieren. (schmunzelt) Aber eigentlich bin ich eher wie Luigi – wir passen charakterlich und von der Körpergröße gut zusammen.

Ich hoffe, du bleibst uns noch viele Jahre bei Nintendo erhalten, aber gibt es schon konkrete Pläne für die Zeit nach deiner beruflichen Karriere?

Harald Ebert: Vielen Dank, ich hoffe ebenfalls, dass ich Nintendo noch viele Jahre erhalten bleibe! (schmunzelt) Ein Leben ohne Arbeit und ohne Nintendo kann ich mir nur schwer vorstellen. Daher habe ich auch keine konkreten Pläne, wie ich danach meine Zeit verbringen könnte – so alt bin ich ja nun auch noch nicht. (schmunzelt) Schön wäre es selbstverständlich, wenn ich dann noch gesund wäre und lange leben würde, um all die Titel komplett durchzuspielen, die auf mich warten. (schmunzelt) Sollte mir wider Erwarten doch langweilig werden, kann ich meine Videospiel-Sammlung immer wieder neu sortieren: statt alphabetisch dann chronologisch und danach vielleicht nach Genre. (schmunzelt)

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