Allgemein News-Artikel Shoot'em Up

Neuer Spieletest – Reshoot R

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss! Wie sonst könnte man Außenstehenden erklären, warum ein „vernünftiger“ Mensch 2019 noch ein Spiel für den Commodore Amiga entwickelt? Ein System, das eigentlich seit 20 Jahren tot ist. Noch dazu ist das Spiel kompatibel zur damals gnadenlos gefloppten Konsolenvariante Amiga CD32. Die genauen Beweggründe vom Entwicklerstudio Spieleschreiber bzw. Richard Löwenstein (der Kopf hinter Reshoot R) sind mir zwar nicht bekannt, aber eines ist wohl klar: Das muss wahre Liebe zum Amiga sein!

Moment mal, Richard Löwenstein? Da klingelt es doch bei dem ein oder anderen. Gamer-Urgesteinen (wie mir) ist Richard natürlich noch bestens als Chefredakteur der einstigen Kultzeitschrift Amiga Joker im Gedächtnis geblieben. Weniger bekannt ist allerdings, dass er vor seiner Zeit beim Joker Verlag bereits als Spieleprogrammierer für den C64 und Amiga tätig war.

Offensichtlich hat Löwenstein das Programmieren aber nicht verlernt und so veröffentlichte er 2016 den technisch beeindruckenden Horizontal-Shooter Reshoot für den Amiga. Der Shooter bekam damals sehr viel Zuspruch von der treuen Fangemeinde, aber es gab auch Anlass zur Kritik. Richard nahm das Feedback zum Anlass und begann umgehend damit, eine optimierte Neuauflage von Reshoot in Angriff zu nehmen. Das Ergebnis seiner Bemühungen hört nun auf den Namen Reshoot R.

Was hat sich geändert?

Tatsächlich macht Reshoot R sehr viel anders (und vor allem besser) als der Vorgänger, sodass man mit gutem Gewissen von einem komplett neuen Titel sprechen darf. Das Spiel unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass ihr nun nicht mehr wie bei Vorgänger mit einem einzigen Leben, ein unendlich langes Level durchfliegt und zusehen müsst, wie weit ihr kommt. Bei Reshoot R handelt es sich um ein klassisches, von links nach rechts scrollendes Shoot-em-Up. Dabei gibt es fünf abwechslungsreich gestaltete Welten, die es zu erkunden gilt. Die zahlreich attackierenden Gegner erinnern größtenteils an eine Mischung aus Meeresbewohner und Roboter. Somit passt das Desgin ganz hervorragend zum technoiden Charme des Spiels.

Wer sein Raumschiff ordentlich aufgelevelt hat, kann schon ein paar Gegentreffer verkraften, was dann allerdings den Verlust von Speed-Ups bzw. Waffen-Upgrades bedeutet. Erst wenn ihr im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr zu verlieren habt, kommt das unweigerliche „Game Over“. In diesem Zusammenhang komme ich auch zu meinem Hauptkritikpunkt. Es ist zwar sehr löblich, dass man im Gegensatz zum Vorgänger seine Bewaffnung ausbauen darf, aber es gibt leider im gesamten Spiel keine weiteren Waffengattungen, wie zielsuchende Raketen oder Smartbombs zu entdecken. Da hätte ich von einem Shmup im Jahre 2019 definitiv mehr erwartet.

Technik-Check

Technisch hat Reshoot R im Vergleich zum Vorgänger eine deutliche Schippe draufgelegt. Schönes Parallax-Scrolling und (fast) durchgehende 50 FPS verwöhnen euer Auge, was für einen geschmeidigen Spielfluss sorgt. Nur in hektischen Situationen, wenn sich das Spiel fast schon in einen Bullet-Hell-Shooter verwandelt, geht die Framerate merklich in die Knie (zumindest auf dem CD32). Da Reshoot R für AGA-Amigas konzipiert wurde und somit auf 256 Farben gleichzeitig zurückgreifen kann, wurden die Level sehr schön detailliert gestaltet. Die bunte Grafik erinnert mich dabei an alte Amiga-Klassiker, wie Project X von Team 17. Positiv erwähnt werden sollten auch die animierten (und gerenderten) Hintergründe, die nun nicht mehr so statisch daherkommen, wie noch beim Vorgänger. Dazu wabert immer wieder atmosphärischer Nebel durchs All, der die Transparenz-Fähigkeiten des Amigas wunderbar demonstriert. Dummerweise haben es dann aber doch ein paar kleinere Glitches in die finale Version geschafft. Ein wenig einfallslos ist zudem das Design eures Raumschiffs, das nun immerhin nicht mehr als fliegender Quader (wie beim Vorgänger),  sondern als rotierender Monolit daherkommt.

Auch in Sachen Soundtrack hat Reshoot R ordentlich zugelegt. Zwar war der SID-Soundtrack im C64-Stil des Vorgängers durchaus gelungen, aber die neuen Techno-/Trance-Tracks aus der Feder von Martin Ahman kitzeln doch wesentlich mehr aus Paula (der Soundchip des Amigas) heraus. Dass man im gesamten Spiel lediglich einen einzigen Soundtrack zu hören bekommt, ist dann aber ein wenig schade. Neue Melodien gibt es nur während der Kämpfe gegen die kniffligen Endbosse. Die Sprachausgabe beim Einsammeln von Extras (wie „Speed Up!“ oder „Weapon!“) lässt dafür immer wieder tolles Arcade-Feeling aufkommen.

Das wird kein Spaziergang

Ein Wort noch zum Schwierigkeitsgrad: Ich bin wirklich kein Anfänger, was Shoot-em-Ups angeht, aber an die 30 Versuche hat es mich schon gekostet, allein das erste Level durchzuspielen. Soll heißen, Reshoot R ist wahrlich keine Anfänger-Veranstaltung! Ihr müsst also schon ein bisschen Training und Schweiß einplanen, um den Abspann von Reshoot R zu Gesicht zu bekommen. Hilfreich ist wie immer die Verwendung eines exakten Eingabegeräts, wie dem Competition Pro Joystick. Der originale CD32-Controller ist hierfür absolut ungeeignet. Wer in den ersten beiden Spielabschnitten übrigens das Zeitliche segnet, wird direkt in den ersten Level zurückkatapultiert. Erst ab dem Erreichen des dritten Abschnitts gibt es so einen Luxus wie Continues, mit denen ihr nach eurem Ableben wieder an der selben Stelle weiterspielen dürft.

Fazit: Allen Kritikpunkten zum Trotz ist Reshoot R eine sehr gelungene Neuauflage. Die tolle Grafik (vor allem in Aktion sieht Reshoot R wirklich beeindruckend aus), der pumpende Techno-Soundtrack, in Verbindung mit einem abwechslungsreichen Level-Design sorgen für ordentlich Spielspaß. Der Schwierigkeitsgrad ist, wie bereits erwähnt, anspruchsvoll, bleibt aber fair genug, um langfristig zu motivieren. Um in meine ewige Top-10 der Amiga-Shumps vorzustoßen, müssten allerdings die erwähnten Schwächen ausgebügelt werden, zumal es sich bei Reshoot R um ein speziell für AGA-Amigas entwickeltes Spiel handelt. Vielleicht schiebt Richard Löwenstein mit seinem Team schon bald ein Update nach, denn Gerüchten nach zu urteilen, soll ein Add-On fix geplant sein. Das Spiel ist als Download-, sowie als CD-ROM-Version erhältlich (für ca 35,- Euro). Eine Version auf Diskette wurde kürzlich ebenfalls veröffentlicht. Allerdings muss das Spiel dann zuerst auf eurer Festplatte installiert werden. Erhältlich ist Reshoot R unter anderem beim Online-Versand Vesalia Wer selbst keinen Amiga besitzt, kann Reshoot R übrigens auch per Emulator (z.B. Colanto’s Amiga Forever) auf dem PC oder Mac zocken.

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